Samstag, 1. Juni 2002

Infinit - das IT-Businessmagazin von Fujitsu Siemens Computers 02/2002: MP3 - immer dabei

Infinit - das IT-Businessmagazin von Fujitsu Siemens Computers 02/2002, 01. Juni 2002

MP3 - immer dabei

Musikbranche: Während große Medienkonzerne noch nach legalen Möglichkeiten für den profitablen Onlinevertrieb von Musik suchen, zeigen kreative Kleinunternehmen, was mit MP3 alles möglich ist.

Die Party ist noch lang nicht vorbei, an diesem Freitagmorgen im Berliner Technoclub Sternradio. Die Menge tanzt begeistert, obwohl der DJ fünf Stunden lang dieselben zwei Platten laufen lässt. Kein einziges Mal greift Techno-Legende Richie Hawtin aus Detroit in die Plattenkiste hinter sich, um eine neue Scheibe zu holen. Doch der Sound ist keineswegs eintönig. Die Menge johlt vor Freude über seine immer neuen Beats und Breaks.

Was die meisten nicht sehen: auf den Platten ist keine Musik, sondern Steuersignale für den Notebook, der unauffällig auf dem DJ-Pult steht. Der Sound kommt von der 20 Gigabyte großen Festplatte, die über 1000 Stücke im MP3-Format enthält. Das Herzstück des Systems ist ein kleiner Plastikkasten, an den Computer, Mischpult und Plattenspieler angeschlossen sind. Die "Finalscratch"-Box der kleinen Firma N2it aus Amsterdam erkennt das Zeitcodesignal der Schallplatten und steuert damit die Sounddateien. Für den Discjockey bedeutet das keine große Umstellung: Bremst er den Plattenteller mit dem Daumen, wird die Musik langsamer, und wenn er den Geschwindigkeitsregler am Plattenspieler wieder hochzieht, wird der Beat schneller. Selbst Tempowechsel, Mixen und Scratchen - alles ist möglich. Nur die Musikauswahl ist viel größer als bisher, weil die Suchmaschine auf dem Notebook die Festplatte nach passenden Sounds durchforstet. Die Stücke sind geordnet nach Beats pro Minute, und an der eingeblendeten Frequenzkurve kann der DJ erkennen, wo die nächste gute Stelle kommt. Wenn er wollte, könnte Richie Hawtin sogar beim Auflegen neue Musik aus dem Internet laden. Doch die Musik, für die der 31-Jährige sich interessiert, gibt es nicht bei den Peer-to-Peer-Tauschplattformen wie Napster oder Audiogalaxy. Richie Hawtin bekommt regelmäßig Pakete von Plattenfirmen mit den neuesten Scheiben, die er in seinen Computer einliest und in MP3 verwandelt.

PAUSE-PIRATEN:Seine jugendlichen Fans hingegen bereiten der Musikindustrie Kopfzerbrechen. Sie muss gerade mit Milliardenverlusten kämpfen, besonders durch die so genannte Schulhofpiraterie, bei der ein Jugendlicher eine CD kauft oder Songs aus dem Internet lädt und sie seinen Freunden kopiert. "Die Funktionsfähigkeit des Musikmarktes ist derzeit durch massenhaftes - legales wie illegales - Brennen von CDs und durch Internetpiraterie in existenzbedrohender Weise gestört", sagt Gerd Gebhardt, Vorsitzender des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft. Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat ergeben, dass im vergangenen Jahr über 17 Millionen Deutsche Musik kopiert und auf 182 Millionen CDRohlinge gebrannt haben. Fast fünf Millionen Personen luden 492 Millionen Songs von meist illegalen Angeboten aus dem Internet. Wäre diese Musik gekauft worden, hätte sie einen Umsatz von rund 3,2 Milliarden Euro erzielt - weit mehr als der Jahresumsatz der Branche.

KLEIN BEIGEBEN:Die Industrie wehrte sich mit Millionenklagen gegen Napster, MP3.com oder KaZaa. Die Tauschplattformen sollen durch die Höhe des Streitwertes zum Aufgeben gezwungen werden. So zog die Bertelsmann Music Group nach einiger Zeit ihre Klage gegen Napster zurück und stieg bei der Firma ein, um sie in einen legalen Aboservice umzuwandeln. Der französischen Medienkonzern Vivendi tat das Gleiche bei der Seite MP3.com. "Die Klagen sind Teil einer Verzögerungstaktik der Musikindustrie", sagt Axel Freyberg, Berater und Mitglied der Geschäftsführung der Unternehmensberatung A. T. Kearney. "Die MP3-Revolution hat die Musikindustrie überrascht, so dass sie jetzt versucht, durch Klagen Zeit zu gewinnen und ein neues Geschäftsmodell zu definieren."

Doch Modelle, in denen Konsumenten für Musik aus dem Netz bezahlen sollen, finden keinen Anklang: "Drei Viertel der Nutzer von MP3-Tauschplattformen sind nicht bereit, Geld für Musik zu bezahlen, die sie woanders kostenlos bekommen können", sagt Christian Loeb, Chief Technology Officer des Hamburger Marktforschungsunternehmens MediaTransfer AG Netresearch & Consulting. Eine Studie des Marktforschungsunternehmens Jupiter MMXI zeigt, dass die Zahl der Nutzer von Downloadplattformen mit größtenteils illegalen MP3 wie Kazaa, MusicCity (Morpheus) und Audiogalaxy in den ersten drei Monaten dieses Jahres von 10,7 Millionen auf 11,3 Millionen stieg. Dagegen sanken die Besucherzahlen von legalen Download-Sites wie Peoplesound und Vitaminic im selben Zeitraum von 2,5 auf zwei Millionen.

Abhilfe bietet nur ein Kopierschutz, wie ihn die französische Band Daft Punk auf ihrer Website nutzt. Besitzer des millionenfach verkauften Hitalbums "Discovery" finden in der CD-Hülle eine Mitgliedskarte mit einem individuellen Zugangscode, der den Download von exklusiven Titeln ermöglicht. Der Daft Club setzt nicht auf MP3, sondern auf "Digibox"-Container-Dateien, die ein Digital- Rights-Management (DRM) der Firma InterTrust vor unbefugten Hörern schützt: Die Dateien mit der Endung ".saf" enthalten zusätzlich zur Musik den Kopierschutz. Die SAF-Dateien lassen sich nur auf dem PC abspielen, für den sie freigeschaltet sind.

Kleinere Plattenfirmen sehen den Kopierschutz weniger eng. Das Hamburger Dance-Label Superstition bietet seit März im Netz kostenlose Tracks vom neuen Album "Everyground" seines Zugpferdes Mijk van Dijk an, welche die Fans herunterladen und bearbeiten sollen. Der beste Remix wird prämiert.

Es gibt auch legale Formen, um kostenlos im Netz an Musik heranzukommen. Auf der Website des MP3-Portals Tonspion.de kann man immer auf 1500 handverlesene MP3 in zehn verschiedenen Stilrichtungen zugreifen. Die neun Mitarbeiter des Berliner Unternehmens surfen täglich durchs Netz auf der Suche nach neuen MP3. Allerdings begeistern sich die Späher nur für legale Songs, die vom Musiker oder der Plattenfirma zum Download freigegeben sind. Komprimierte Musikdateien auf weißrussischen Hacker-Seiten interessieren sie ebenso wenig wie das Angebot von Napster & Co. "Wir verstehen uns nicht als Möchtegernkonkurrenz von MP3-Tauschbörsen, sondern funktionieren genau umgekehrt", sagt Tonspion-Gründer Udo Raaf. "Zu den Tauschbörsen geht man, wenn man schon genau weiß, was man sucht. Bei uns erhält man kompetent zusammengestellte Musik als Anregung, wenn man mal nicht genau weiß, was es gibt." Oft stellen Plattenfirmen schon vor der Veröffentlichung des Albums Promo-MP3 ins Netz. So gibt es bei den Tonspionen auch Songs aus dem neuesten Album von Nickelback "Silver Side Up", das gerade in Deutschland in den Top Ten steht, oder einen exklusiven Remix von Madonna und unveröffentlichte Bonustracks von Björk. Damit auch nicht entfernt der Verdacht entsteht, illegale Musik anzubieten, speichert Tonspion.de nie das MP3, sondern setzt nur Links zum Download von der Original-Website.

GOLDGRUBE HARDWARE:Viel Geld verdient hat mit Onlinemusik bisher nur die Hardwareindustrie, die Abspielgeräte produziert. So hat beispielsweise die Firma Apple bereits über 150.000 ihrer iPod-MP3- Player seit dem Verkaufsstart im November vergangenen Jahres abgesetzt. Der Elektronikhersteller Sonicblue brachte daraufhin einen tragbaren MP3-Player mit eingebauter Festplatte auf den Markt. Auf 20 Gigabyte Speicher fasst der RioRiot den Inhalt von rund 400 CDs oder zirka 5000 Musikstücke im MP3-Format und verfügt außerdem über Radioempfang in UKW. "Die Leute wollen ihre Lieblingsmusik überall mobil verfügbar haben", sagt Christian Stolberg, Chefredakteur der Zeitschrift Musikexpress. Auch Techno-DJ Richie Hawtin hat seine Musik immer dabei und bereitet neue Mischungen am liebsten im Flugzeug vor. Die mehr als 1000 MP3-Dateien, die er mit Kopfhörer an seinem Notebook hören kann, würden als Schallplatten einem Gewicht von 100 Kilogramm entsprechen. Im Sternradio-Club in Berlin hat der Discjockey gerade mal 20 Platten dabei - falls die Technik vielleicht doch einmal ausfallen sollte.

Markus Göbel




"Diebstahl an den Künstlern"

Christian Stolberg, Chefredakteur des Musikexpress, verurteilt Musik-Raubkopien und illegale Tauschbörsen im Internet. Jedoch hat legale Musik aus dem Web Zukunft - wenn sie günstig ist.

Z U R  P E R S O N

Christian Stolbergist Chefredakteur des im Axel SpringerYoun Mediahouse erscheinenden "Musikexpress". Zuvor verantwortete er als Chefredakteur den Fachinformationsdiensts "Musikwoche" und entwickelte das "WOM Journal". Der 40-jährige Journalist gilt als intimer Kenner der internationalen Musikszene. Den von ihm initiierten Relaunch des "Musikexpress" begleitete eine Erweiterung des Onlineangebots - mit Musiktiteln im Streamingformat.

I N F I N I T:Sind die Klagen der Musikindustrie über Umsatzeinbußen berechtigt?

CHRISTIAN STOLBERG:Einerseits schon. Im vergangenen Jahr wurden erstmals mehr CDRohlinge als Musik-CDs verkauft, 80 Prozent dieser Rohlinge werden für Raubkopien von Musik verwendet.Dadurch sind der Musikindustrie Umsätze weggebrochen.Allerdings ist der Rückgan auch selbst verschuldet. Seit Mitte der achtziger Jahre hat man sich immer mehr auf die Vermarktung von Megastars konzentriert und immer weniger Newcomer aufgebaut.

Ist das Problem in den Griff zu bekommen?

Die Gesetzgebung ist mittlerweile auf dem richtigen Weg. So ist festgelegt worden, dass Kopierschutz legal ist und der Nutzer nicht unbedingt das Recht hat, seine CD auch auf dem PC zu hören. Außerdem ist es endlich strafbar, einen Kopierschutz zu knacken. Es muss außerdem endlich gute legale Aboangebote geben. Ich glaube, dass die meisten Leute gern auf Raubkopien verzichten würden, wenn das Abo bequem und kostengünstig ist. Illegale Kopien sind ein Diebstahl an den Künstlern, der inzwischen epidemische Ausmaße angenommen hat mit Milliarden illegaler Kopien. Die Tauschplattformen müssen technisch durchforstet werden können, um den Anbieter zu belangen.

Wo liegen die Vorteile von MP3-Technologie und legalen Online-Tauschbörsen?

Man bekommt dort seine Lieblingssongs, ohne in den Laden gehen zu müssen, und kann seine CDs selber zusammenstellen. Immer mehr wollen ihre Lieblingsmusik überall verfügbar haben. Dafür gibt es inzwischen MP3-Player mit bis zu 20 Gigabyte Festplatte. Daneben wird es natürlich immer noch Tonträger geben, weil die Leute auch Spaß an der schönen Hülle ihrer CD haben.



I N T E R N E T

Finalscratch:Erfindung der holländischen Firma N2IT, mit der Discjockeys MP3-Dateien auf normalen Plattenspielern abspielen können. An dem Herzstück des Systems, der "Finalscratch"-Box, ist ein Computer mit Sounddateien, das Mischpult und die Plattenspieler angeschlossen.
http://www.finalscratch.com/

Tonspion:MP3-Musikmagazin mit weit über 1000 handverlesenen Musikempfehlungen.
http://www.tonspion.de/

IFPI:International Federation of the Phonographic Industry; Vertretung der Interessen der Musikproduzenten.
http://www.ifpi.com/



F A C H B E G R I F F E

MP3:Dateiformat zur Komprimierung von Audiodaten bei sehr geringem Qualitätsverlust; von der Fraunhofer-Gesellschaft entwickelt. Elf Musikalben passen im MP3-Format auf eine CD.

Peer to Peer:Technik, mit der über das Internet auf Daten auf anderen Rechnern zugegriffen werden kann. Napster ermöglichte damit einen direkten Onlinetauschhandel von Musikdateien.

Digital-Rights-Management:Wacht darüber, dass Dateien nicht beliebig kopiert und weitergegeben werden können. Das DRM-System gibt Musikstücke verschlüsselt weiter undhält fest, wer, wann, was von wo erworben hat, wie viele Kopien erlaubt sind und wie oft sich der Song abspielen lässt, bevor er sich selbst sperrt.

Microsoft Magazin 02/2002: An der Bar ins Web

Microsoft Magazin 02/2002, S. 54/55

An der Bar ins Web

Im Novotel Offenbach können Geschäftsreisende jetzt ohne Modem ins Internet gehen - 80-mal schneller und viel unkomplizierter als bisher. Von jedem beliebigen Ort.

Thomas K. H. Bittner ist ein viel beschäftigter IT-Berater und ständig auf Achse. Drei- bis viermal die Woche übernachtet er im Hotel. "Wenn ich nach einem Kundentermin ins Hotel komme und noch arbeiten muss, sitze ich lieber an der Bar", sagt er. Leider haben die meisten Bars keine Telefonsteckdose, in die Bittner sein Modem einstöpseln kann. Deshalb muss er doch allein auf dem Zimmer arbeiten. In einem seiner Lieblingshotels hat der Consultant, dem von Microsoft der Titel Most Valuable Professional (MVP) verliehen wurde, jetzt Abhilfe geschaffen: Im Novotel in Offenbach installierte Bittner über ein drahtloses Netzwerk, genannt Wireless LAN (WLAN), einen Breitbandzugang ins Web.

Verkehrsgünstig zwischen Frankfurt und Offenbach in unmittelbarer Autobahnnähe gelegen, beherbergt das Novotel Offenbach mit seinen 119 Zimmern zu 70 Prozent Geschäftsreisende, die auch die sieben Tagungsräume nutzen. Weil immer mehr Gäste unterwegs arbeiten müssen und E-Mail-Kontakt zu ihrer Firma halten wollen, stellte sich immer häufiger die Frage: Wie lässt sich im Hotel der Onlineanschluss bewerkstelligen?

Thomas Dröscher, General Manager des Novotel, kennt die Problematik: "In den heutigen Hotels herrscht in Sachen Internet eine unüberschaubare Vielfalt - technisch wie organisatorisch. Das fängt schon beim Anschluss im Hotelzimmer an und setzt sich über die Telefonanlage und gesonderte Büroangebote fort. Dazu kommen nicht selten geringe Übertragungsleistungen, und der Gast erhält bei Problemen auch keine Hilfe. Kein Wunder, dass viele Geschäftsreisende lieber auf den teuren und langsamen Datenverkehr über ihr Mobiltelefon zurückgreifen."

Der Hotelmanager wollte deshalb seinen Gästen mit einem ortsunabhängigen Web- Zugang mehr Komfort bieten. Ein Partner für die Verwirklichung dieser Vorstellung fand sich fast von selbst: die Online GmbH aus Hanstedt. Thomas Bittner, Senior Consultant bei dem Microsoft Certified Partner, steigt nämlich regelmäßig im Novotel ab.

Die Technik der WLAN-Zugänge ist simpel: Zentraler Bestandteil eines Funknetzwerks ist eine Reihe von Sendern. Sie werden in den Gebäuden oder im Freien installiert und sorgen für die Verbindung ins Netz. Die Reichweite eines solchen "Hotspots" liegt zwischen 30 und 100 Metern in Gebäuden. Im Freien erreicht sie mehrere hundert Meter. Die Übertragungsgeschwindigkeit beträgt bis zu 11 Megabit und ist damit 80-mal schneller als eine ISDN-Verbindung. So lässt sich sogar ruckelfrei übers Web fernsehen.

Wie sich im Novotel bereits während des Probebetriebs zeigte, erfüllt das Netzwerk alle Erwartungen an die Benutzerfreundlichkeit: Kabelanschlüsse und Modemkonfiguration gehören der Vergangenheit an. Die unauffälligen Sendestationen von Cisco, schwarze Büchsen mit zwei kleinen Antennen und einer grünen Kontrolllampe, sind auf jeder zweiten Etage im Treppenhaus angebracht. Oder hinter Zwischendecken.

Für den Zugang in die Welt des Webs zahlen Gäste eine Tagespauschale von 12 Euro. Ein durchaus moderater Preis, findet Bittner. Andere Hotelketten berechnen für denselben Service 30 Euro und mehr.

Um ins Netz zu kommen, müssen die Gäste bei ihren mitgebrachten Laptops auch keine komplizierten Einstellungen vornehmen. An der Hotelrezeption können sie Funkmodems in Form von PCMCIA-Steckkarten mieten. Die Karte muss lediglich in den dafür vorgesehenen Steckplatz des Notebooks geschoben werden, und schon ist der Gast an jedem Punkt des Hotels online. Falls der Rechner bereits eine Steckkarte für Funknetzwerke besitzt, baut sich die Verbindung nach dem Einschalten automatisch auf, selbst wenn der Laptop bisher für eine andere Internetverbindung eingerichtet war.

Natürlich stellt sich bei Funknetzwerken, die hauptsächlich von Geschäftsleuten genutzt werden, die Frage nach der Sicherheit. In Offenbach werden alle Daten innerhalb des Netzes verschlüsselt übertragen, der 128- Bit-Schlüssel wechselt im Minutentakt. Normalerweise wenden nur Banken so hohe Verschlüsselungen an, um ihr Online Banking abzusichern. Zudem verhindert das System, dass die Computer der Hotelgäste untereinander kommunizieren und so Hackerangriffe innerhalb des Netzes gestartet werden.

Nachdem das Netzwerk bereits einige Wochen läuft, sollen nun auch die Angestellten des Novotel den Service nutzen, um ihre Arbeit effektiver zu gestalten: Bisher zieht die Hausdame mit Zettel und Stift über die Gänge und schaut, welche Zimmer bereits geputzt sind und weitervermietet werden können. Sind zehn Zimmer beisammen, geht sie an den PC in ihrem Büro und verzeichnet sie als frei. Ein zeitaufwendiges Verfahren. Demnächst soll die Dame mit einem Minicomputer losziehen und freie Zimmer direkt nach Abnahme drahtlos der Zentrale melden.

IT-Berater Thomas Bittner kann unterdessen schon auf der sonnigen Hotelterrasse sitzen und seinen Bericht an die Firmenzentrale in der Lüneburger Heide schicken.

> MARKUS GÖBEL




"15 000 Euro für eine Komplettinstallation"

Interview mit Thomas K. H. Bittner, Senior Consultant bei der Online GmbH, über die Einrichtung von drahtlosen Internetzugängen in Hotels und Pensionen.

Microsoft Magazin: Wie weit ist die Wireless-LAN-Nutzung im Hotelbereich fortgeschritten?
Thomas K. H. Bittner: Der Markt entwickelt sich bisher noch langsam, weil die meisten Hotelgäste diesen Service noch nicht kennen. Je mehr Zugänge es jedoch auf Flughäfen, Bahnhöfen und in Hotels gibt, umso mehr Reisende werden auch ihr Wireless LAN Equipment unterwegs nutzen. Dabei wird es wichtig sein, dass der Reisende nicht für jeden Hotspot einen neuen Login braucht, sondern eine zentrale Abrechnung das Roaming ermöglicht. Das neueste Projekt der Online GmbH bietet genau das: Der Kunde identifiziert sich mit denselben Zugangsdaten an allen teilnehmenden Hotspots, egal von welcher Firma sie sind.

Welche Vorteile bietet der drahtlose Internetzugang für den Hotelgast?
Ich übernachte sehr oft in Hotels. Weil viele unserer wichtigsten Kunden im Raum Frankfurt sind, bin ich in den letzten Jahren fast ausschließlich im Novotel Offenbach abgestiegen. Dort konnte man sich, wie in vielen Hotels, bisher nur über Telefon ins Internet einwählen. Die Übertragungsraten waren ziemlich gering, wie das bei Modems üblich ist. Außerdem musste ich an der Telefonsteckdose in meinem Zimmer bleiben. Deshalb habe ich dem General Manager Thomas Dröscher einen drahtlosen Internetzugang vorgeschlagen, um seinen Gästen einen besseren Service zu bieten.

Wie teuer ist ein drahtloser Internetzugang?
Die Kosten für ein Hotel von der Größe des Novotel betragen ungefähr 15 000 Euro für eine Komplettinstallation. Die Software stellen wir als Application Service Provider bereit, und das Hotel erhält von den Einnahmen eine Provision.



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Internet: Alles über Wireless- Technologien mit Microsoft Produkten erfahren Sie auf unseren englischsprachigen Internetseiten. Sie können dort außerdem die ausführliche Novotel-Fallstudie zum Thema einsehen. Die Seiten finden Sie, wenn Sie die folgende Adresse anklicken:
www.microsoft.com/germany/business/magazin/maerkte



"In Sachen Internet herrscht in Hotels eine unüberschaubare Vielfalt."
Thomas Dröscher, General Manager, Novotel Offenbach



STICHWORTWIRELESS LAN

Drahtlose Internetzugänge werden im Branchenjargon Hotspots genannt. Besonders setzt sich der Datenfunkstandard IEEE 802.11b durch. Weil niemand sich das komplizierte Kürzel merken kann, nennt man ihn auch Wi-Fi, was für Wireless Fidelity steht, in Anlehnung an den Begriff Hi-Fi. Wi-Fi sendet im Spektrum von 2,4 Gigahertz. So können in Gebäuden Strecken von 30 bis 100 Metern überbrückt werden und im Freien 400 Meter. Bei der Datenübertragung erreicht Wi-Fi eine Geschwindigkeit von 11 Megabit pro Sekunde. Diese Bandbreite reicht für alle gängigen Web-Anwendungen. Trotzdem arbeiten Entwickler bereits an neuen Standards, die bis zu 72 Megabit pro Sekunde ermöglichen.